Wer auf dem Mini-Flughafen von Florenz landet, glaubt in Hintertupfing zu sein, also in irgend einem verschlafenen Nest, wo normalerweise der Mensch nur hinkommt, wenn er sich verlaufen hat. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt kehrt sich dieser Eindruck zusehends um und spätestens, wenn das Taxi am Dom vorbeifährt, trifft einem endgültig der Hammer.

 
 

Staunende Touristen

 
 

Der Hammer!  Eine bessere Umschreibung dessen, was in Florenz touristisch abgeht, gibt es nicht. Abertausende von museumsgeilen Besuchern belagern diese wunderschöne Stadt am Arno. Ob es nun tatsächlich die weltberühmten Museum sind, denen Florenz seine Anziehungskraft verdankt, weiß ich nicht. Schließlich gibt es da auch noch jede Menge städtebaulicher Attraktionen und auch eine Reihe von Plätzen, die einfach traumhaft wären, wären da eben nicht die Touristenheere.

 
  Am Arno  
 

Es ist halt eine sehr schöne Stadt, dieses Firenze, und nicht umsonst trägt sie den Beinamen ‚la Bella’. Auch die Lage ist vom Feinsten, malerisch gelegen im Norden der Toskana und umgeben von den Vorhöhen der Apenninen. Der Arno durchfließt die Stadt und gibt ihr ein markantes Gepräge mit den belebten Uferstraßen und den schönen Brücken.

 
  San Lorenzo  
 

Florenz hat sich seit der Renaissance seinen Rang als Kunst- und Kulturzentrum bewahrt und sein Stadtbild mit den Kirchen, Palästen und Plätzen sucht in der Tat seinesgleichen.

 
 

 Straßencafé an der Piazza della Signoria

 
 

Dieses reiche Erbe verstehen die Florentiner hervorragend zu verwalten, will heißen, sie nutzen die zahlreichen Touristenbesuche geschäftstüchtig, manchmal schon etwas jenseits der Schmerzgrenze. Da fließt immer noch etwas Blut der berühmten Kaufmannsfamilie Medici in den Adern der Händler und Gastronomen.

 
 

 Modische Kleidung

 
 

Neben Handel und Gewerbe erlangte Florenz natürlich durch seine Künstler Weltruhm, die Medici-Familie machte die Stadt zu einem Zentrum von Kunst und Wissenschaft. In der Literatur glänzte vor allem Dante Alighieri, der Dichter der „Göttlichen Komödie“. Ferner seien der Erzähler des „Decamerone“, Giovanni Boccaccio, sowie Francesco Petrarca erwähnt.

 
 

Dante-Monument bei der Kirche Santa Croce

 
 

Überhaupt arbeiteten die drei berühmtesten schaffenden Künstler dieser Zeit in Florenz: Michelangelo modelliert den „David“ vor dem Palazzo della Signoria und betätigt sich unter anderem als Architekt für die neue Sakristei von San Lorenzo. Leonardo da Vinci malt in der Arnostadt sein berühmtes Bild, die „Mona Lisa“ und Raffael schafft ebenfalls großartige Gemälde.

 
DavidNeptun  

Viele dieser Berühmtheiten sind auch in Florenz begraben, in der Kirche Santa Croce liegen u. a. Michelangelo, Machiavelli, Rossini, Cherubini und Galilei.

Palazzo Vecchio

Mittelpunkt des städtischen Lebens ist die Piazza della Signoria mit dem Palazzo Vecchio (Alter Palast). Das burgartige Gebäude mit dem 94 m hohen Turm ist das Rathaus der Stadt. Neben dem Eingang steht eine Nachbildung von Michelangelos „David“, das Original befindet sich in der Galleria dell’ Accademia.

An der Nordwestecke des Palastes steht der große Neptunsbrunnen, die Fontana del Nettuno.

Fontana di Nettuno

Südlich des Palazzo Vecchio erstreckt sich der Palazzo degli Uffizi, bei uns üblicherweise Uffizien genannt, bis zum Arno hin. Das ehemalige Verwaltungsgebäude enthält heute eine weltberühmte Gemäldesammlung mit Bildern vieler florentinischer und venezianischer, aber auch niederländischer und altdeutscher Künstler.

Uffizien und Palazzo Vecchio

Dominiert wird das Stadtbild aber durch den Dom, der Cattedrale di Santa Maria del Fiore. Der mächtige gotische Bau mit seiner achtseitigen Kuppel gilt als Meisterwerk von Filippo Brunelleschi. Der Bau wurde 1296 begonnen und 1436 geweiht. Außen sind der skulpturenreiche Dom und sein Campanile  mit verschiedenfarbigem Marmor sehr aufwendig verkleidet.

Der Dom 'Santa Maria del Fiore'

Unmittelbar neben dem Dom befindet sich das Baptisterium, ein achteckiger Kuppelbau, der vor allen Dingen durch seine reliefgeschmückten Bronzetüren berühmt wurde. Die schönste und bekannteste dieser Türen ist die sog. „Paradiespforte“.

Relief an der 'Paradiespforte' des Baptisterium
Medaillon am Findelhaus

Am südöstlichen Rand der Altstadt steht unweit von Arno-Ufer die Kirche Santa Croce mit den bereits erwähnten, berühmten Grabstätten. In der Nähe, bei der Kirche Santissima Annunziata befindet sich das von Brunelleschi begonnene Findelhaus mit seinen farbigen Medaillons von Wickelkindern.

Medaillon am Findelhaus

Als  Wahrzeichen von Florenz ist sicher die Ponte Vecchio zu bezeichnen. Die älteste der Florentiner Arnobrücken führt an der schmalsten Stelle über den Fluss. Die Brücke war so breit, dass man zu beiden Seiten Arkaden baute, in denen bald Wohnungen und Geschäfte entstanden, später durften dann nur mehr Goldschmiede die Räumlichkeiten nutzen und das ist bis heute so geblieben.

Ponto Vecchio

Von der Ponte Vecchio ist es dann nicht mehr weit bis zum Quaderbau des Palazzo Pitti mit den berühmten Boboli-Gärten.

Palazzo Pitti

Neben all den Schönheiten und Lästigkeiten sei aber eines nicht vergessen: die Stadt hat nach wie vor Flair und dieses Flair wird jeder auf seine Art definieren. Deshalb gibt es nur die eine Möglichkeit sich selbst ein Bild von Florenz zu machen, nämlich hinfahren und sich in das tobende Leben stürzen.